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Datum der Veröffentlichung: 
2008/01

Eine der überraschenden Entwicklungen in der Klinischen Psychologie und der Medizin der letzten Jahre liegt im steigenden Interesse an empirischen Untersuchungen des religiös-spirituellen Erlebens und Verhaltens. In einer 2005 in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Pastoralpsychologie, Pastoraltheologie und Klinischer Psychologie erstellten Studie konnte ein Mehrdimensionales Inventar zum religiös-spirituellen Befinden (MI-RSB 48) im Kontext körperlicher und psychischer Gesundheit und Krankheit entwickelt werden. Im Deutungsrahmen des bio-psycho-sozio-spirituellen Modells konnten dabei verschiedene klinische und nichtklinische Stichproben befragt werden. Das Ausmaß an religiös-spirituellem Befinden wurde zu anderen Konzepten humanistischer Psychologie in Beziehung gesetzt. Einbezogen wurden der „Kohärenzsinn“ im salutogenetischen Ansatz nach A. Antonovsky bzw. die Befriedigung von „Mangel- und Wachstumsbedürfnissen“ im Sinne A. H. Maslows. Nachgegangen wurde auch der Frage nach der Bedeutung von Religiosität und Spiritualität im Prozess der Krankheitsverarbeitung (Coping). Der postulierte positive Zusammenhang von religiösspirituellem Befinden und psychischer Gesundheit konnte zu großen Teilen durch die empirischen Daten bestätigt werden. Die verstärkte Berücksichtung religiös-spiritueller Inhalte in der Behandlung von PatientInnen könnte dazu beitragen, zusätzliche Perspektiven für die klinische Psychologie und Psychotherapie zu eröffnen.

Art der Publikation: 
Journal