Religiös-spirituelles Befinden im Kontext seelischer Gesundheit und Krankheitsverarbeitung: Ergebnisse eines interdisziplinären Forschungsprojekts

Eine der überraschenden Entwicklungen in der Klinischen Psychologie und der Medizin der letzten Jahre liegt im steigenden Interesse an empirischen Untersuchungen des religiös-spirituellen Erlebens und Verhaltens. In einer 2005 in interdisziplinärer Zusammenarbeit von Pastoralpsychologie, Pastoraltheologie und Klinischer Psychologie erstellten Studie konnte ein Mehrdimensionales Inventar zum religiös-spirituellen Befinden (MI-RSB 48) im Kontext körperlicher und psychischer Gesundheit und Krankheit entwickelt werden.

Religion und Suchterkrankungen

In vielen religiösen Traditionen wird ein enger Zusammenhang zwischen dem verkündeten religiösen Heil und konkreten Erfahrungen von Heilung an Leib und Seele im Hier und Jetzt gesehen. Gegenüber religiösen und spirituellen Überzeugungen als Ressource für die Gesundheit bestanden innerhalb der Gesundheitsforschung, in Medizin wie Psychologie, hingegen lange Zeit massive Zweifel. Seit den 1990er Jahren ist jedoch ein explosionsartiger Anstieg der Forschung zu Religion und Gesundheit besonders in den USA zu verzeichnen.

Spiritualität und psychische Gesundheit: Glaube als Ressource in der Krankheitsverarbeitung

Der Rolle von Religion und Spiritualität im Krankheitsprozess wird seit einigen Jahren wieder vermehrt Interesse von Seiten der Medizin und der klinischen Psychologie entgegen gebracht. Im Rahmen des bio-psycho-sozio-spirituellen Modells von Gesundheit und Krankheit finden interdisziplinäre Forschungsprojekte statt. Viel Grundlagenarbeit muss allerdings noch geleistet werden, um die pathogene und salutogene Wirkung von Religion und Spiritualität auf die Gesundheit zuverlässig erfassen zu können. Dieses Buch soll einen Beitrag dazu liefern.